Dem Kölsch auf der Spur: Ein Brauhausrundgang durch die Kölner Altstadt

Rund 25 Kölschsorten gibt es in Köln. Auf einem Brauhausrundgang in Köln lernt man zwar nicht alle, aber immerhin doch einige Sorten kennen. Und erfährt nebenbei allerhand Wissenswertes rund um das Kölner Lieblingsgetränk Kölsch. Bloggerin Shirani hat die Tour  ausprobiert.

Los geht‘s an einem sonnigen Samstagnachmittag um 15 Uhr, Treffpunkt ist der Bahnhofsvorplatz vor dem Deichmannshaus. Dort wartet bereits Günther, unser heutiger Brauhausführer auf uns. „Jünta“, stellt er sich der Gruppe vor. „Vorne Jott, hinten A“. Vom Bahnhof führt er uns auf direktem Weg am Dom vorbei in die Kölner Altstadt, wo die Brauhaustour beginnt.

Erster Halt der Brauhaustour: Die Gaststätte Dom im Stapelhaus

Die erste Station ist die Gaststätte Dom im Stapelhaus am Fischmarkt. Das ehemalige Lagerhaus ist über 500 Jahre alt und wurde wie der Rest der Altstadt nach dem Krieg wieder aufgebaut. In dem urigen Brauhaus mit den unzähligen Karnevalsmedaillen erzählt uns Günther, dass von den ehemals 200 Brauereien in Köln heute nur noch neun Braustellen aktiv sind. 25 Kölschsorten gibt es heute noch, wobei die großen Brauer Gaffel, Früh und Reissdorf etwa zwei Drittel vom Markt ausmachen.

Während wir unser erstes, frisch gezapftes Dom Kölsch genießen, erfahren wir mehr über den Herstellungsprozess des kölschen Lieblingsgetränks: Wir lernen, wie aus der Gerste das fertige Kölsch entsteht und dass in Deutschland nach dem Vorläufigen Biergesetz gebraut wird. In der Kölner Region ist Kölsch mit 90 Prozent der Marktführer unter den Bieren. Im Rest von Deutschland macht das Kölsch allerdings nur etwa 2,1 % aus. „Kölsch ist eben regional“, so Günther.

Wer nach dem ersten Kölsch genug hat, legt als Signal für den Köbes den Bierdeckel oben auf‘s Glas. Ob aus Unwissenheit oder Absicht; in unserer Gruppe bleiben die Deckel unter dem Glas, und so dauert es nicht lang, bis die zweite Runde Kölsch serviert wird. Dieses Mal zeigt Günther uns, wie man in Köln richtig anstößt: Mit einem beherzten „Prost“ werden die Gläser mit dem unteren Teil aneinander gestoßen. Denn „unten sind die Gläser stabil und oben fragil“. Und natürlich kommt eine kölsche Brauhaustour auch nicht ohne kleine Seitenhiebe in Richtung Düsseldorf aus. In Bezug auf die geringe Schaumbildung von Kölsch erklärt Günther: „Pils hat deutlich mehr Schaum. Das kommt automatisch wieder hoch.“

Das Delfter Haus – Station zwei der Braushaustour

Für die zweite Station führt Günther uns tiefer in die Altstadt und in Richtung Delfter Haus. Auf dem Weg dorthin passieren wir die Markierungen des Hochwassers von 1993 und des „Jahrhunderthochwassers“ von 1995, bei dem der Rhein auf 10,69 Meter anschwoll. Dank neuer Hochwasserschutzmaßnahmen ist die Kölner Altstadt heutzutage jedoch bis zu einem Wasserstand von 11,30 Metern sicher.

Das Delfter Haus ist eines der wenigen originalen Häuser der Altstadt und stammt aus dem Jahre 1620. Im Vergleich zum geräumigen Stapelhaus ist das Delfter Haus mit seinen 110 Plätzen eher eines von den kleineren Brauhäusern. Im urigen Kellergewölbe nehmen wir an langen Tischen Platz, wo der Köbes uns schon bald einen Kranz frisch gezapftes Päffgen serviert. Warum Kölsch in den kleinen 0,2 Stangen serviert wird, ist laut Günther ganz klar: „Damit es nicht Alt wird!“

Warum der Köbes so heißt, wie er heißt, ist jedoch weniger klar. Sicher ist, dass Köbes die kölsche Form von Jakob ist. Angeblich ist der Begriff auf den heiligen Jakobus und das nach ihm benannte spanische Pilgerziel Santiago de Compostela zurückzuführen. Der Legende nach lernten die jungen Männer unterwegs eine Menge Frauen kennen, und um diese zu beeindrucken, verdienten sich die Männer als Kellner das nötige Kleingeld. Eine andere Legende wiederum besagt, dass die jungen Pilger von ihrer Reise so viele spannende Geschichten zu erzählen wussten, dass die Wirte sie kurzerhand einstellten. Sicher ist nur eines: Die ruppige Art der Kölner Köbesse muss man erlebt haben! Der weibliche Köbes wird übrigens als Jakubine, oder aber in Ableitung des kölschen Kranzes, als Kranzmarie bezeichnet.

Endstation: Das Gilden im Zims

Die letzte Station führt uns durch verwinkelte Altstadtgässchen bis hin zum Heumarkt, dem zweitgrößten Platz Kölns. Hier betreten wir das Gilden im Zims. Beim Eintreten schlägt uns der Duft kölscher Köstlichkeiten entgegen; das Brauhaus ist um diese Zeit schon stark frequentiert. Im Vergleich zu den vorigen beiden Brauhäusern wurde hier der erfolgreiche Versuch unternommen, Tradition und Moderne zu vereinen. Das Kellergewölbe ist modern ausgeleuchtet und wird am Wochenende auch gerne mal als Partykeller umfunktioniert. Zum Glück ist ein Tisch für uns reserviert, ansonsten wäre es für unsere Gruppe schwer, noch einen Platz zu finden.

Bei einem kühlen Gilden erklärt uns Günther ein typisch kölsches Gericht, das auf jeder Brauhaus Speisekarte zu finden ist: Der Halve Hahn. Doch wer jetzt an ein halbes Hähnchen denkt, ist weit gefehlt: Tatsächlich ist der Halve Hahn nichts anderes als ein simples Roggenbrötchen, das mit Butter, mittelaltem Goude und Senf serviert wird.

Hier im Gilden im Zims endet die Brauhaustour, und Günther verabschiedet sich in den Samstagabend. Wir lassen das bunte Treiben des Brauhauses noch eine Weile auf uns wirken, und kehren schließlich ins gemütliche Stapelhaus zurück, um noch einen Happen zu essen. Und vielleicht noch das ein oder andere Kölsch zu probieren.

Die Brauhaustour findet an jedem zweitem Samstag im Monat um 15 Uhr statt und dauert ca. 2 Stunden. Sie beginnt am Bahnhofsvorplatz und endet üblicherweise am Heumarkt.

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