Ein Besuch im Verkehrsmuseum Dresden

Mitten in der Dresdner Altstadt, zwischen Residenzschloss und Frauenkirche, ist das Verkehrsmuseum im Johanneum untergebracht. Das älteste Museumsgebäude der Stadt war schon vor hunderten von Jahren der Stallhof von Kutschen und Pferden der sächsischen Kurfürsten und Könige. Somit erscheint es auch sehr logisch, eben da Ausstellungen zum Thema Verkehr unterzubringen.

Wir besuchen das Museum an einem Herbsttag im November und möchten uns hier die Historie der Fortbewegung näher bringen lassen. Vier verschiedene Ausstellungsteile erwarten uns.
Los geht es direkt nach dem Eingang mit “Vorfahrt”, die uns die Geschichte des Straßenverkehrs näher bringen möchte.

Wir sehen die ersten Fortbewegungsmittel: ein Paar alte abgewetzte Schuhe, denn los ging es natürlich zu Fuß, zum Beispiel mit Sänften. Aber dann geht es auch schon weiter mit den ersten beräderten Fahrzeugen. Begonnen natürlich mit den ersten Zweirädern: Laufrad, Fahrrad und Co. Die Ausstellung ist mit einem riesigen Zeitstrahl versehen und kann mit Hilfe von Audioinstallationen mit einer virtuellen Familie miterlebt werden. Hierfür gibt es immer wieder kleine Ohrmuscheln, an denen man zusätzliche Audioinformationen erhält. Wir kommen zum Patent des Automobils, bei dem wie bei vielen anderen Erfindungen im Automobilbereich besonders auf die Geschichte der Fahrzeugpioniere eingegangen wird. Wir erfahren, dass am Anfang des 20. Jahrhunderts genau so viele Elektro-, wie Verbrennungsmotoren verbaut wurden und können uns die frühen Exemplare, einen Baker Electric von 1910 und einen Benz Patent Motorwagen von 1886 ansehen.
Das Verkehrsmuseum legt großen Wert auf den Mitmachfaktor. Besucher können ausprobieren, wie sich die ersten Hochräder gefahren haben, probieren einen virtuellen Verbrennungsmotor aus oder entwickeln auf der eingebauten Hochstraße im tollen Zukunftslabor eigene Vorstellungen der zukünftigen Mobilität. Wer sich nun im Raum weiter bewegt, erlebt die weitere Geschichte der Fahrzeuge. Von der Schwalbe bis zum modernen E-Golf kann alles bestaunt werden.

Die zweite Ausstellung im unteren Bereich des Johanneums beglückt die Fans der Schienenmobile. Hier gibt es einen ausführlichen Trip durch die Geschichte der deutschen und insbesondere der sächsischen Eisenbahn zu bestaunen. Wir sind begeistert von den historischen Loks und Wägen. Unter anderem sehen wir die älteste erhaltene deutsche Dampflokomotive “Muldenthal”aus dem Jahr 1861 und einen Salonwagen des sächischen Hofzuges von 1885. Auch hier erlebt der Besucher vieles am eigenen Leib. Wo kann man sich schon sonst als Lokführer einer Schmalspurlok von 1898 oder einer der ersten E-Loks fühlen?

Eine Treppe geht es hinauf und nun stehen wir in einem besonderen Teil des Verkehrsmuseum, dem Bereich “Hits für Kids”. Hier herrscht Gewusel und lautes Treiben. Jede Menge Kinder nutzen die 300qm des Verkehrsgartens, in dem sie mit Bobbycars spielend den Straßenverkehr kennenlernen können. Inklusive Tank- und Baustellen. Sehr spannend ist auch der Nachbarbereich: Ein Experimentierraum zur Physik des Fliegens. Hier werden verschiedenste Versuche zum Thema Luft und Fliegen gestartet, Papierflieger gebastelt undundund. Alle Plätze sind besetzt, die Kids haben sichtlich Spaß.

Der dritte Ausstellungsbereich führt uns zum Thema Wasser und Schifffahrt. Sie ist in einem langen Gang untergebracht und behandelt sowohl die Beschiffung der Weltmeere, als auch die Elbschifffahrt. Besonders fällt uns ein Koffer ins Auge, er gehört einer der Überlebenden des Titanic-Untergangs. Sie konnte als Kind gerettet werden, den Koffer behielt sie bis an ihr Lebensende. Schließlich wurde er dem Verkehrsmuseum gestiftet. Wir laufen durch einen nachgebauten hölzernen Schiffsrumpf, sehen uns eine typische Kajüte des 15. Jahrhunderts an und sehen viele liebevoll nachgebaute Schiffsmodelle, wie zum Beispiel die berühmte “Santa Maria”, das Flaggschiff von Kolumbus. Sehr interessant ist auch die Geschichte der Elbe. Hier wird besonders die Kettenschleppschifffahrt und die auch heute noch betriebene Personen-Dampfschifffahrt dargstellt. Aber auch der Besucher darf sich aktiv beteiligen und an einem virtuellen Hafen ein Containerschiff steuern.

Die Luftfahrt ist der vierte Teilbereich der Ausstellung. Hier können 200 Jahre Luftfahrtgeschichte in Augenschein genommen werden. Wir erklimmen eine riesige Gangway, um die historischen Modelle von Nahem betrachten zu können. Zeppeline und Ballone sind zum Anfassen nahe, man möchte sich am liebsten reinsetzen und losfliegen. Die Pioniere und Erfinder werden auch hier besonders gewürdigt. Der Raum erzählt die Geschichte von Otto Lilienthal, Graf von Zeppelin und vielen weiteren. Wie überall im Museum steht nicht nur die Technik im Vordergrund, auch der Mensch gehört zur Geschichte des Verkehrswesens. Einen weiteren Bereich nimmt die DDR-Luftfahrtindustrie ein. Das erste deutsche strahlgetriebene Passagierflugzeug wurde in Dresden entwickelt und wird deshalb auch besonders vielfältig dargestellt.
Noch bis Anfang April 2016 schließt sich eine weitere Ausstellung an den Luftfahrt-Bereich an. “Als der Tod das Fliegen lernte” erzählt die Geschichte der Fliegerei in Europa vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Das kanadische Luftfahrtmuseum hat besonders seltene Fotoaufnahmen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts verliehen. So lässt sich die Euphorie, die dank der ersten erfolgreichen Motorflüge entstand, besonders nachempfinden. Das Verkehrsmuseum hat extra dafür eine künstliche Wiese mit Liegestühle nachgebaut, damit die Besucher das damailge Leben nachempfinden können. Die Menschen trafen sich und beobachteten an Flughäfen die Erfolge der Luftfahrtpioniere mit volksfestähnlicher Stimmung. Aus nächster Nähe lässt sich der Nachbau eines 99 Jahre alten Tripple-Deckers “Fokker DR I” betrachten, bekannt auch durch den deutschen Jagdflieger Manfred Freiherr von Richthofen. Somit wird auch die militärische Nutzung im Ersten Weltkrieg in der Ausstellung dargestellt.

Ein Highlight des Verkehrsmuseums ist die Modelleisenbahnanlage, die international zu den größten ihrer Art zählt. Auf 325qm sind 785 Meter Gleis verbaut, auf dem 26 Lokomotiven mit 115 Wagen computergesteuert durch die Miniaturlandschaft rollen. Ein Erlebnis für Groß und Klein.

Das Verkehrsmuseum bietet eine riesige Menge an Informationen zum Thema Verkehr, es ist interessant für alle Altersklassen und äußerst modern und innovativ gestaltet. Nach dem mehrstündigen Besuch verlassen wir das Johanneum und wissen, dass dies nicht unser letzter Besuch war. Denn an vielen Ecken der Ausstellungen gibt es noch mehr zu entdecken, als wir heute schaffen konnten. Zum Museum gibt es auch eine Smartphone-App, die eine eigene extra Audio-Tour durch das Museum beinhaltet.

Das Verkehrsmuseum ist auch mit dem Hop On Hop Off Bus der Stadtrundfahrt Dresden zu erreichen. Wer an der Haltestelle “6. Altmarkt / Frauenkirche” aussteigt, erreicht es in wenigen Minuten zu Fuß.

Wir verlosen 1×2 Gutscheine für einen freien Eintritt in die Ausstellung des Verkehrsmuseums. Wer sich die mobile Welt und Geschichte live ansehen möchte, kommentiert diesen Beitrag bis zum 19.11.15

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
Augustusstraße 1, 01067 Dresden
Bei Google Maps öffnen

2 Kommentare

  • Jördis Arntrup-Thöne sagt:

    Wir fahren in 2 Wochen nach Dresden und würden uns sehr freuen ☺.
    Das wäre ja perfekt für uns beide. ..
    Ein paar schöne Stunden in Dresden und ein Gang durch das Museum. ..
    2x im Jahr gönnen wir uns Dresden. ..Jajaja
    Liebe Grüße
    Joerdis und Tikki

  • Torsten Rönsch sagt:

    O ja, ins Verkehrsmuseum sollten wir auch wieder mal gehen! Beim letzten Mal war die Große noch nicht mal 2; jetzt ist sie 6 und die Kleine ist schon 4 — es würde ihnen da sicher gut gefallen …

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